in my place

Tessa Wolkersdorfer

in my place

Ausstellungseröffnung

Mittwoch, 28. Oktober 2015 – 19 Uhr

Ausstellungsdauer

28. Oktober bis 21. November 2015

Ausstellungsort

Neue Galerie des KVE
Hauptstraße 72, 91054 Erlangen

Begrüßung

Claudia Ubl, 2. Vorsitzende Kunstverein Erlangen e.V.

Öffnungszeiten

Dienstag, Mittwoch, Freitag 15 bis 18 Uhr
Donnerstag 15 bis 19 Uhr
Samstag 11 bis 14 Uhr
Sonntag/Feiertag, Montag geschlossen

Eintritt frei

Der Kunstverein Erlangen e.V. lädt herzlich ein zur Eröffnung und zum Besuch der Ausstellung.


Tessa Wolkersdorfer:  „in my place“

Tessa Wolkersdorfer lässt sich gerne von dem inspirieren, was sie am unmittelbarsten umgibt und zu dem sie einen Bezug hat, von Alltäglichem und Vertrautem. So tauchen in ihren Bildern Möbelstücke auf, die von ihren Großeltern stammen könnten. Alte Möbelstücke sind wie eine Projektionsfläche mit „Patina“, unwillkürlich aufgeladen mit Erinnerungen und einer Geschichte. Mit ihnen kann sie ihre Bilder assoziativ und spielerisch aufbauen – und genau auf diese Weise soll auch der Betrachter in ihre Bildwelt eintauchen können. Allerdings geht es bei ihr nicht um Nostalgie. Indem sie die Interieurs aus ihrem gewohnten Umfeld reißt, hat sie die Möglichkeit, eine nur auf den ersten Blick vertraute und doch völlig neue Realität zu schaffen. Dabei bricht sie diese mit Klischees behafteten Motive mit Ironie. Allerdings steht die Ironie nicht im Vordergrund, gerade auf ihren neueren Bildern geht es ihr mehr um einen gewissen Schwebezustand. Interieurs und Landschaften verschränken und überlagern sich auf seltsame Weise und auf dem Bild entstehen fast beiläufig mehrere Ebenen der Realität und Räumlichkeit.

www.tessa-wolkersdorfer.de


Tessa Wolkersdorfer
Auszug aus einem Gespräch mit Andreas Greulich

Hallo Tessa, Du lebst in Nürnberg hast dort an der Akademie studiert und […]  in Deinen Bildern tauchen Möbelstücke auf, die von Deinen Großeltern stammen könnten. Zuhause ist Dir schon wichtig oder wie erschließt sich Deine Motivwelt?

Ich lasse mich gerne von dem inspirieren, was mich am unmittelbarsten umgibt und zu dem ich einen Bezug habe, von Alltäglichem und Vertrautem. Alte Möbelstücke sind wie eine Projektionsfläche mit „Patina“, unwillkürlich aufgeladen mit Erinnerungen und einer Geschichte. Mit ihnen kann ich meine Bilder assoziativ und spielerisch aufbauen- und genau auf diese Weise soll auch der Betrachter in meine Bildwelt eintauchen können. Allerdings geht’s mir nicht um Nostalgie. Indem ich die Interieurs aus ihrem gewohnten Umfeld reiße, habe ich die Möglichkeit, eine nur auf den ersten Blick vertraute und doch völlig neue Realität zu schaffen.  […]

[…] ich empfinde in Deinen Arbeiten inhaltlich – und sogar formal -  einen Hang zum Ironischen.

Wenn man [z.B.] ein so in Kitsch und Klischees verstricktes Motiv wie den Hirschen wählt, finde ich es notwendig, es mit Ironie zu brechen. Und die neonfarbigen Akzente verstärken diesen Bruch des heimtümelich wirkenden natürlich noch. Am Spiel mit dem Hirschen insbesondere ist  eben genau das Schöne, dass er starke Assoziationen in uns wachruft, doch mit seinem Sprung aus der gewohnten Umgebung lässt er den Betrachter fragend oder schmunzelnd zurück. Obwohl der Hirsch doch eigentlich ganz gut vor’s Küchenbuffet passt…

Allerdings steht die Ironie nicht im Vordergrund, gerade auf meinen neueren Bildern geht es mir mehr um diesen ungewissen Schwebezustand. Interieurs und Landschaften verschränken und überlagern sich auf seltsame Weise und auf dem Bild entstehen fast beiläufig mehrere Ebenen der Realität und Räumlichkeit.

Stimmt, von der räumlichen Aufbrechung kann man Assoziationen an surrealistische Malereien haben. Selbst den leeren Rahmen kann man entdecken. Was ich aber besonders schätze ist das vollkommene Aufbrechen des Gegenständlichen im Hintergrund mancher Bilder. Wie wichtig ist die hier reine, ungegenständliche Malerei?

Im Moment ist sie oft die Ausganssituation für ein Bild. Ich spritze, schmeiße, schütte die Farbe und lasse mich dabei intuitiv leiten, bis ich ein abstraktes Grundgerüst hab, oft eben tatsächlich ein  Dripping. Von einer Skizze oder geplanten Situation lasse ich mich erfahrungsgemäß zu sehr einschränken und so kann ich die Freiheit und Möglichkeiten, die ich auf der Leinwand habe, besser ausschöpfen. Der abstrakte Hintergrund bleibt aber auch im fertigen Bild noch wichtig, weil der Betrachter sich genauso assoziativ ins Bild hineindenken soll, wie ich beim Malprozess vorgegangen bin, und z.B. eine Natursituation mit ihm verbinden kann. In meinen Augen ist nichts auf der Welt so perfekt ist wie die Natur, und der Versuch, sie in ihrer ganzen Schönheit abzubilden, kann meiner Meinung nach nur scheitern. Deshalb hab ich also auch die Flucht nach vorn ergriffen. Außerdem ist die Tusche, die ich benutze, ein sehr freiheitsliebendes Malmittel, und diese Eigenart will ich nicht totmalen“.

“Freiheitsliebendes Malmittel” ist natürlich ein schöner Ausdruck. Mit anderen Worten, die Zufälligkeiten  — des Drippings und der Tusche als Malmittel — unterstützen Dich beim  Bildbau. Dennoch sind Deine Arbeiten ja genau kalkuliert und einzelne Motive offensichtlich sehr überlegt ins Bild gesetzt. Ist es schwierig für Dich, das miteinander zu verbinden?

Nein, ganz im Gegenteil, meine Bilder leben ja vom Kontrast und von Gegensätzen, die sich steigern, sowohl in Form, Farbe und Motiv. Aber das tun sie eben auf eine subtile Weise, unerwartet, durch Kombination und Komposition. Obwohl der leere Rahmen ja die Raumverhältnisse aufbricht, funktioniert er als Bindeglied zwischen den Ebenen, unterstützt die Bild-im-Bild-im-Bild Situation und hängt gleichzeitig wie ein abstraktes Gemälde im Raum.

Keine Angst vor der Zerstörung zu haben gehört bei so einer Art von Malerei natürlich dazu. Der Malprozess dauert ja mitunter ganz schön lange, und durch Übermalen oft schon fertiger Bilder, partielles Überblenden, Durchscheinenlassen taste ich mich an das fertige Motiv heran und irgendwann „stimmt“ das Bild dann. Genauso einen Weg habe ich gesucht, bei dem sich die Bildwelt eigendynamisch und unaufgesetzt  beim Malen entwickelt.

 Auszug aus einem Gespräch zwischen Andreas Greulich und Tessa Wolkersdorfer,
Frankfurt a.M, Nov.2014

www.tessa-wolkersdorfer.de