Wald- & Wiesenfotos

Langzeit-Belichtungen und andere Fotografien
mit der Camera obscura

Günter Derleth

Wald- & Wiesenfotos

Ausstellungseröffnung

Mittwoch, 27. November 2013 – 19 Uhr

Ausstellungsdauer

27. November bis 21. Dezember 2013

Ausstellungsort

Neue Galerie des KVE
Hauptstraße 72, 91054 Erlangen

Begrüßung

Gunhild Schweizer, 1. Vorsitzende des Kunstverein Erlangen e.V.

Einführung

Barbara Leicht M.A., Kunstmuseum Erlangen e.V.

Öffnungszeiten

Dienstag, Mittwoch, Freitag 15 bis 18 Uhr
Donnerstag 15 bis 19 Uhr
Samstag 11 bis 14 Uhr
Sonntag/Feiertag, Montag geschlossen

Eintritt frei

Der Kunstverein Erlangen e.V. lädt herzlich ein zur Eröffnung und zum Besuch der Ausstellung.


"Wald- & Wiesenfotos" mit der Camera obscura

Die Camera obscura („dunkle Kammer“) ist die Urform jeder Kamera. Das Prinzip ist in jedem finsteren Raum nachvollziehbar, in den das Licht nur durch ein kleines Loch einfällt: Auf die gegen-überliegende Wand wird automatisch ein umgedrehtes und spiegelbildliches Bild dessen projiziert, was draußen zu sehen ist. Dabei gilt: je kleiner das Loch, desto schärfer die Darstellung, und der Abstand zwischen Loch und Wand bzw. Fotomaterial bestimmt die Brennweite.

Auf Hilfsmittel und nachträgliche Bearbeitung der Bilder verzichtet Günter Derleth. Der Einfluss des Fotografen ist entsprechend begrenzt, das Meiste entzieht sich seiner Kontrolle und wird dem Zufall überlassen. So entstehen die einzigartigen Bilder der Camera obscura quasi von selbst und stellen einen entschleunigten Gegenentwurf zur technisch hochentwickelten, blitzschnellen Digitalfotografie dar.

Die Ausstellung mit dem Titel „Wald- & Wiesenfotos“ spielt mit der Erwartungshaltung des Laien an die Kunst und spiegelt ironisch die anti-perfektionistische Grundhaltung Günter Derleths sowie dessen Faszination für die letztlich unvorhersehbaren, ungewissen, ja unerwarteten Ergebnisse der Lochkamera-Fotografie.

Einem „totalen Kontrollverlust“ verdanken die langzeitbelichteten Naturaufnahmen ihre Entstehung. Der Künstler befestigte dazu leere, innen geschwärzte und mit Schwarz-Weiß-Fotopapier aus-gestattete Illykaffee-Dosen an Bäumen. Erst nach Monaten, in denen die selbstgebauten Lochkameras sich selbst überlassen, der Witterung und pickenden Vögeln ausgesetzt waren, „erntete“ der Fotograf die erstaunlicherweise inzwischen farbigen Bilder, ohne dass er sie entwickeln musste. Denn aufgrund der langen Belichtung hatte sich das Motiv nicht nur direkt in das Fotopapier „eingebrannt“, sondern erscheint durch die Lichtempfindlichkeit des silbernitrathaltigen Fotopapiers zudem farbig. Die hellen Streifen, die sich vor dem blauen Grund segmentbogenförmig abzeichnen, dokumentieren den Lauf der Sonne: Jeder Sonnentag hat seine Spur hinterlassen.

Das Wandern von Schattenwürfen zeigen als Pendant dazu Negative und Positive der Diptychen „Fundstücke“, für das der Künstler vertrocknete Gartenpflanzen eine Stunde lang bei Sonnenschein ablichtete.

Eine entscheidende Rolle spielt das Licht auch in der Serie von Winterwaldfotos, wo die absichtliche Überbelichtung das Filigrane der aus der Schneedecke herausragenden Gewächse steigert.

Dagegen können die in billigem Rotwein entwickelten „Rasenstücke“ als gewollt unperfekte, zufallsbestimmte Antwort auf Dürers durchkomponierte gleichnamige Aquarelle verstanden werden.

Christine Demele

www.guenter-derleth.de