20 Jahre Partnerstädte
Erlangen - Wladimir

JUNGE GRUPPE des KVE in Wladimir 2003

Acht Künstlerinnen und Künstler des Kunstvereins Erlangen e.V. (KVE) sind aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir Anfang September 2003 nach Wladimir gereist. Die Teilnehmer, die überwiegend der JUNGEN GRUPPE des KVE angehören, knüpften damit an bereits bestehende Kontakte an. So war es für die Glaskünstlerin Mary Sych-Fluck und die Malerinnen Christine Engels und Gisela Heinrici bereits der zweite offizielle Besuch in Erlangens Partnerstadt. Gemeinsam mit acht russischen Künstlern, die ihrerseits alle bereits mindestens einmal in Erlangen zu Gast waren, präsentierten sie eine Gemeinschaftsausstellung im Gouvernementszentrum in Wladimir. Es waren die Arbeiten selbst, die hier in einen Dialog treten konnten, wo die Sprache nicht ausreichte. Hatten die russischen Gastgeber bei der letzten Gemeinschaftsausstellung am selben Ort im Jahr 2001 noch realistische Tendenzen in den Arbeiten ihrer deutschen Gäste vermisst, so boten die Nachtstücke von Mathias Otto in diesem Jahr ein konträres Pendant zu den Landschaften von Oleg Modorow, Wladimir Sevastianov, Sergej Jermolin oder Nicolaij Below. Von der Stimmung her entsprachen sie eher den figürlichen Arbeiten des im vergangenen Jahr verstorbenen Peter Dik. Wieder auf andere Weise korrespondierten die Grafiken von Wladimir Ruzin, dem Vorsitzenden des Russischen Verbands Bildender Künstler in Wladimir und Professor für Grafik an der Pädagogischen Hochschule in Wladimir, mit denen von Michael Schmidt-Stein, Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Kunsterziehung an der EWF in Nürnberg. Für die Erlanger Künstler war es eine besondere Herausforderung, sich an den hohen technischen Fertigkeiten ihrer russischen Kollegen messen zu lassen und die Grenzen künstlerischer Freiheit in den unterschiedlichen Disziplinen auszuloten. Die abstrahierenden, gestisch gemalten Arbeiten von Akbar Akbarpur fanden hier genauso viel Aufmerksamkeit wie die gegenstandslosen Farb-, Form- und Materialspiele von Christine Engels und Dagmar Ohrndorf. Unterschiedliche Auffassungen von den Möglichkeiten des Aquarells zeigten die gekonnt gesetzten Landschaften von Anatolij Denisov im Gegensatz zu den locker hingeworfenen Akten von Gisela Heinrici. Auch auf dem Gebiet der Plastik bot sich ein Dialog zwischen den ernsten, zum Teil religiös inspirierten Arbeiten des Bildhauers Igor Tschernoglasow und beispielsweise der schalkhaften Komposition von Glas und Nerz mit dem Titel "Französische Nacht" von Mary Sych-Fluck. Ironie und Hintersinn bot schließlich auch die Installation von Thomas Wollheim unter dem Titel "Tradition", für die jene Erlanger Brauerei, die mit ihrer langen Tradition wirbt, hunderte Bierfilzl mit unterschiedlichen Motiven zur Verfügung stellte.

Die Ausstellung, die von Oberbürgermeister Balleis eröffnet wurde und in Rundfunk und Fernsehen reges Interesse fand, hätte sicherlich auch mehr Erlanger Besucher verdient. Diese aber waren programmgemäß zeitgleich zu Bier und Würstchen in den Stadtpark gefahren worden: Tradition eben.

Mit der Ausstellungseröffnung hatte es für die Erlanger Künstler aber noch nicht sein Bewenden. Obwohl die Witterungsverhältnisse es zunächst unmöglich erscheinen ließen, kam ein Projekt zur Umsetzung, das Christian Hamsea, ebenfalls Mitglied der JUNGEN GRUPPE plus und im Jahre 2001 in Wladimir mit dabei, für den Außenbereich des Erlangen Hauses konzipiert hatte. Nach einem Entwurf von Dagmar Ohrndorf gestalteten die Erlanger Künstler unter Mitwirkung ihrer russischen Kollegen drei Bogenflächen an der Wand zum seit Jahren unverputzten Nachbarhaus. Zusammen mit den Skulpturen von Johannes Koch ergibt diese Arbeit Erlanger Künstler ein schlüssiges Ensemble. Den Künstlerinnen und Künstlern aus Erlangen war daran gelegen, über eine zeitlich begrenzte Ausstellung hinaus ein dauerhaftes Zeugnis der Freundschaft und Zusammenarbeit in Wladimir zurückzulassen. Daß diese Zusammenarbeit ihre Fortsetzung finden wird, dafür wollen sich Schmidt-Stein und Ruzin einsetzen, um auch offizielle Kontakte zwischen den Hochschulen anzuknüpfen und einen zukünftigen Austausch möglicherweise zu institutionalisieren.

Gisela Heinrici

für die JUNGE GRUPPE im KVE

Gruppenbild aussen
Delegation des KVE
Gruppenbild innen
Im Kreise der Wladimirer Künstler
OB Dr. Balleis
Ausstellungseröffnung durch Oberbürgermeister Dr. Balleis (und seinem Partnerschaftsbeauftragten und Dolmetscher Peter Steger)
Ansprache Fr. Heinrici
Gisela Heinrici vertritt den KVE bei der Ausstellungseröffnung
Wandmalerei
Künstlerische Gestaltung der Bogenflächen gegenüber dem Erlanger Haus

Erstellt am 12.10.2003