Zur Eröffnung der Gedächtnisausstellung
100 Jahre Kunstverein Erlangen
1904 - 2004
 
laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich
zum Empfang und zur Ausstellung ein.
Datum Sonntag, den 11. Januar 2004, 11 Uhr
Ort Erlangen, Marktplatz 1
Palais Stutterheim, 2. OG/Bibliothek
Begrüßung H. Uwe Fischer
1. Vorsitzender des Kunstvereins Erlangen e.V.
Es sprechen Dr. Siegfried Balleis
Oberbürgermeister der Stadt Erlangen
 
J. Adam Stupp
Ehrenvorsitzender des Kunstvereins Erlangen e.V.
Festansprache 100 Jahre Kunstverein
 
Dr. Kurt Jauslin
Kunsthistoriker und Journalist
Zur Gedächtnisausstellung Künstler/-innen im KVE
Musikalische
Umrahmung
Schüler/-innen
Albert-Schweitzer-Gymnasium Erlangen
Festschrift Zur Eröffnung der Ausstellung können Sie die Festschrift des Kunstvereins Erlangen "100 Jahre Kunstverein Erlangen, Beiträge zur fränkischen Kunstgeschichte" zum Mitglieder- und Ausstellungseröffnungspreis von 10,- EUR erwerben
 
Buchhandelspreis 14,- EUR
 
Nachbestellungen für Mitglieder des KVE und GVE in der Geschäftsstelle des Kunstvereins, 91054 Erlangen, Hauptstraße 72, Telefon 09131/2 68 67
Ausstellungsdauer 11. Januar bis 2. Februar 2004
Öffnungszeiten Dienstag bis Freitag    10 - 18 Uhr
Samstag u. Sonntag   10 - 17 Uhr

Kurzbeschreibung | Festansprache | Ausstellung | Werkeverzeichnis

Kurzbeschreibung

Am 11. Januar 2004 begeht der Kunstverein Erlangen e.V. sein 100-jähriges Bestehen.

Anläßlich dieses Ereignisses erfolgt ein Festakt mit anschließender Eröffnung einer Ausstellung verstorbener Künstler dieser Zeit.

Durch Leihgaben des Stadtmuseums sowie des Stadtarchivs Erlangen, der Firma Siemens AG und vor allem durch die Familie Nürmberger und verschiedener privater Sammler von Exponaten aus dieser Zeit, ist es dem Kunstverein gelungen, eine aussergewöhnliche Gedächtnisausstellung KVE 1904-2004 zusammenzustellen.

Die Ausstellung beinhaltet Bilder, Grafiken und Plastiken von Barthelmeß, Schinnerer, Dietz, Klaiber, Wilhelm, Bina, Lederer, Gügel, Stanik, Postner, Grau, Huberger, Klein, Schießtl, Penzoldt, Zimmermann, um nur einige zu nennen.

Außerdem erscheint zur Ausstellungseröffnung eine nahezu 400 Seiten starke Dokumentation 100 Jahre Kunstverein Erlangen, die einen umfassenden Überblick zum Werden und Wachsen des Kunstvereins Erlangen und des fränkischen Kunstgeschehens in Vergangenheit und Gegenwart gibt. Mit den Vorsitzenden des Kunstvereins als Herausgeber zeichnen als Redaktion für die Dokumentation Helmut Haunstein, Dr. Kurt Jauslin, Manfred Mayer und Johann Adam Stupp.

Im Jubiläumsjahr 2004 wird der KVE noch weitere repräsentative Ausstellungen vorbereiten. So erfolgt z.B. am Freitag, dem 23.04.04, die Eröffnung der Ausstellung "Kunst macht Schule - Schule macht Kunst" der Erlanger Gymnasien unter der Leitung von Herrn Klaus Kromas (Studiendirektor des CEG) im Museumswinkel in Erlangen.

Dazu wie auch zu allen anderen Ausstellungen erhalten Sie jeweils frühzeitig genaue Informationen aus unserer Geschäftsstelle. Verantwortlich für Rückfragen und Terminabsprachen ist Frau Ulrike Götz M.A. in der Geschäftsstelle des KVE.

Kurzbeschreibung | Festansprache | Ausstellung | Werkeverzeichnis


Festansprache zur Gedächtnisausstellung
"100 Jahre Kunstverein Erlangen"

von Johann Adam Stupp, Ehrenvorsitzender des KVE

Im 19. Jahrhundert sah man in der "Kunstpflege" keine originäre städtische Aufgabe, für die der Magistrat zuständig sein sollte. Sie blieb freien Initiativen aus der Bürgerschaft überlassen, die sich in Vereinigungen sammelte. So kam es in der Gründerzeit in Deutschland vielerorts zur Gründung von Kunstvereinen. In Erlangen gab es zwei Vorläufer der Kunst im Verein. Die erste Initiative erfolgte von der Universität, an der Professor Ludwig Döderlein einen "Kunstverein der Studierenden" gründete, der von 1843 bis 1857 bestand. Bedeutsamer wurde für die Kunst der 1876 gegründete "Gemeinnützige Verein", kurz gVe, der vor allem das Musik- und Theaterleben aktivierte, daneben aber auch Ausstellungen durchführte, beginnend mit der ersten Erlanger Kunstausstellung im August 1877. Die Errichtung des Kunstvereins erfolgte als eigenständiger Wirkungsbereich in Anlehnung an den gVe. Die Möglichkeiten der Kunst waren im gVe offenbar zu schwach, um den Kunstfreunden genügen zu können. Als vor hundert Jahren der Kunstverein Erlangen errichtet wurde, entsprachen die Initiatoren, der Professor der Nationalökonomie Dr. Karl Theodor von Eheberg und der Kommerzienrat Hans Lehner, dem "schon seit längerer Zeit in weiteren Kreisen der Stadt Erlangen geäußerten Wunsch, dem hiesigen kunstliebenden Publikum ... die Möglichkeit zu bieten, sich an den Werken der bildenden Kunst, insbesondere der Malerei, zu erfreuen und mit den künstlerischen Bestrebungen und Kunstrichtungen der Gegenwart in Fühlung zu bleiben", wie der "Verwaltungsbericht des Stadtmagistrats Erlangen 1904" festhielt.

Nunmehr wurde das Leben der Kunst auf das Vereinsleben übertragen. Damit folgte Erlangen dem Beispiel Nürnbergs und anderer Städte in gebührendem zeitlichem Abstand. Mit Freude dürfen wir auf diesen Tag vor hundert Jahren zurückblicken. Die Kunst hatte in Erlangen ihre Heimstätte gefunden. Neue Aktionen wurden für die Kunst entwickelt: Gruppenausstellungen, Kataloge, Versteigerungen, Jahresgaben und reichhaltige Vortrags- und Kunstfahrten-Unternehmungen. Erwähnenswert bleiben auch die gesellschaftlichen Auswirkungen von Funktionen im Verein: Man konnte Vorstands- oder Beiratsmitglied, Jung- oder Ehrenmitglied oder sogar Ehrenpräsident werden.

Alles dieses hat sich bis zum heutigen Tage erhalten. Aber ansonsten sind die Unterschiede unübersehbar. Bei der Gründung setzte sich eine Mitgliedschaft aus angesehenen Bürgern, aus Honoratioren, zusammen. Der Kunstverein hatte 412 Mitglieder bei einer Einwohnerzahl von 23 000. Damals waren Künstler als Mitglieder dann willkommen, wenn sie einen bürgerlichen Beruf ausübten, wie z.B. Gymnasialprofessor – so Peter Bina –, oder Angestellte der Universitätsbibliothek, – so Eleonore Schmidt–Herrling. Um die Aufnahme freischaffender Künstler bemühte man sich nicht, sie waren vielmehr die Personengruppe, die gefördert werden sollte. Vergleichbar etwa dem Kinderschutzbund, in dem Kinder keine Mitglieder sind.

Zum Jahrweswechsel 2003/04 hat der Kunstverein 621 Mitglieder, von denen 444 als Künstler registriert sind, also rund 70 %. Aus dem Förderverein scheint ein Künstlerbund geworden zu sein. Auf den Ausstellungen wurden damals Werke des Naturalismus, der Historien- und Genremalerei, des Impressionismus und des Jugendstils von Künstlern vorwiegend aus Bayern gezeigt. Es war die Zeit, in der Cézanne, Monet und schon Picasso und Kandinsky ihre progressiven Werke schufen. Hier lässt sich die Verzögerung erkennen, mit der die neuesten Kunstentwicklungen in der Provinz damals verspätet und abgemildert zur Geltung kommen konnten. Auf der anderen Seite setzte gerade dies den Kunstverein in die Lage, die Akzeptanz der Moderne bei den Bürgern zu vertiefen und für Kulturverständnis zu werben. So entfaltete er in en ersten zwölf Jahren seines Bestehens ein fruchtbares Wirken für eine attraktive kulturelle Entwicklung der Hugenotten- und Universitätsstadt. Dann folgten die entbehrungsreichen Jahre des Ersten Weltkrieges, die zur Einstellung der Ausstellungstätigkeit zwangen.

Erst 1914 hatte das Bayerische Kultusministerium die Errichtung eines Kunsthistorischen Seminars an der Universität Erlangen genehmigt, zu dessen Vorstand man den im Jahre 1900 in Erlangen habilitierten Kunstgeschichtler und Volkskundler Prof. Dr. Friedrich Haack berief, der aber noch im selben Jahr als Reserveoffizier zum Kriegsdienst einberufen wurde. Nach seiner Rückkehr 1919 ermöglichte er die Durchführung von Präsentationen zeitgenössischer Kunstschaffender in der Orangerie, die unter dem Namen dew Gemeinnützigen Vereins erfolgten, in welchem Haack als Vorsitzender des Arbeitsbereiches Bildende Kunst seit der Vorkriegszeit führend tätig war.

Bei Prof. Haack promovierte 1921 als Kunstgeschichtler Eduard Rühl. Wie sein Doktorvater widmete er sich der Erforschung der fränkischen Kulturgeschichte, zugleich war er in hohem Maße aufgeschlossen für die moderne Malerei. Als Gründer und Leiter der Kunstgeschichtlichen Arbeitsgemeinschaft am Kunsthistorischen Seminar veranstaltete er von 1922 bis Ende 1924 nicht weniger als 20 niveauvolle Ausstellungen mit Originalen hervorragender Künstler, die er mit dem programmatischen Titel "Vom Impressionismus zum Expressionismus" einleitete. Die fortschrittliche Einstellung Rühls traf jedoch auf erbitterte Gegnerschaft sowohl in der Stadt als auch an der Universität. Er musste aufgeben und verließ Erlangen. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm er den Vorsitz im Heimat- und Geschichtsverein Erlangen; die Universität ernannte ihn zum Honorarprofessor. Während seine Leistungen als Heimatforscher gewürdigt werden, scheinen seine Verdienste um die bildende Kunst weithin vergessen zu sein. Seit 1967 verleiht der Kunstverein die Professor-Eduard-Rühl-Medaille an Persönlichkeiten für "überragende Förderung der Kunst", nicht der "Heimatkunde", wie das Erlanger Stadtlexikon glaubt.

Im Jahre 1927 gab es eine Wiedergründung des Kunstvereins, der die Aktivitäten des gVe auf dem Gebiet der bildenden Kunst selbstständig übernehmen, rechtlich aber im gVe verbleiben sollte. Es war im Grunde eine Neuauflage der Erstgründung von 1904. Den Vorsitz übernahm wiederum Professor Haack. Doch der Weg ging weiter und führte zum eingetragenen Verein, der nach einem Aufruf an "alle Kreise der Stadt" am 10. Novemer 1930 gegründet wurde Diese Gründung war ein voller Erfolg. Wieder übernahm Prof. Haack das Amt des 1. Vorsitzenden, 2. Vorsitzender wurde Medizinal-Rat Dr. Hermann Müller, ein im Jahr vorher an die Heil- und Pflegeanstalt Erlangen versetzter Arzt und Hobbymaler. Die Mitgliederliste eröffneten der 1. Bürgermeister der Stadt Erlangen Dr. Flierl, der Rektor der Universität Prof. Dr. Fleischer und der Vorsitzende des gVe Prof. Dr. Fleischmann. Wer aus der Besitz- und der Bildungsbürgerschaft der Stadt kulturelles Interesse bezeigen wollte, trat dem Kunstverein bei, darunter nicht weniger als 40 Professoren der damals noch viel kleineren Universität. Heute sind gerade mal 4 Universitätsprofessoren Mitglied! Eine rege Ausstellungstätigkeit setzte ein, darunter auch Gruppenausstellungen auswärtiger Künstler aus anderen bayerischen Städten und natürlich der heimischen Maler und Bildhauer. Bei Betrachtung der Ausstellungen der Jahre bis 1933 ist augenfällig, dass eine Hinwendung zur "deutschen" Kunst erfolgte und "wurzellosem" Ästhetentum der Kampf erklärt wurde.

Im Jahre 1933 erfolgte nach der "Machtergreifung" Hitlers die "Gleichschaltung" des Kunstvereins mit dem Ziel einer "völkischen" Kunstpflege. Dem geschäftsführenden 2. Vorsitzenden Dr. Müller wurde die Leitung der Erlanger Ortsgruppe des "Kampfbundes für deutsche Kultur" übertragen. Bereits im Juli dieses Schicksalsjahres brachte Müller mit der sogenannten "Mannheimer Schreckenskammer" "entartete Kunst" nach Erlangen. Kunstliebhaber waren begeistert, sie erklärten ironisch: "Das war Müllers beste Ausstellung". 1934 verzichtete Prof. Haack aus gesundheitlichen Gründen auf den Vorsitz, an seine Stelle trat Dr. Müller.

Die nächsten zehn Jahre können um so eher übersprungen werden, als der Zweite Weltkrieg zu einer weitgehenden Einschränkung der Tätigkeit führte. Im Jahre 1944 wurde Dr. Müller zum Rücktritt gezwungen. Das Beiratsmitglied Christian Kazner, Zahnarzt in Erlangen, schlug vor, "dass der 1. Vorsitz von dem jeweiligen Oberbürgermeister, der 2. Vorsitz von dem jeweiligen Rektor der Universität zu besetzen ist. Die Vereinsführung selbst wird einem Geschäftsführer übertragen". Dieses Amt wollte Christian Kazner übernehmen. So geschah es, und so kommt es, dass der KVE die zweifelhafte Ehre hat, in der Reihe seiner 1. Vorsitzenden einen NS–Oberbürgermeister aufzählen zu müssen.

Ein Jahr später war der Krieg zu Ende und der Kunstverein durch Befehl der Besatzungsmacht aufgelöst.

Aber schon bald erwachte wieder das Kunstleben, und dem Maler Hermann Wilhelm gelang es, von den Amerikanern die Erlaubnis zur Durchführung einer Ausstellung zu erhalten. Diese wurde am 9. September 1945 im Pathologischen Institut der Universität eröffnet. Es war die überhaupt erste Kunstausstellung der Nachkriegszeit auf dem Gebiet der späteren Bundesrepublik. Sicherlich die Folge des Umstands, dass die deutschen Großstädte und Kunstmetropolen durch die erlittenen Kriegszerstörungen andere Sorgen hatten als die intakte Provinzstadt Erlangen.

Die vielfachen Bemühungen und Ansätze zur Neuorganisation des Kulturlebens nach 1945 müssen hier ausgeklammert werden, sie sind in der Festschrift nachzulesen. Im Jahre 1950 wurde der Kunstverein Erlangen e.V. neu bzw. wieder gegründet; 1. Vorsitzender wurde Christian Kazner. Dieser begeisterte Kunstfreund organisierte mit hohem persönlichem Engagement zahlreiche Ausstellungen, gipfelnd in der Jubiläumsschau 50 Jahre Kunstverein mit einer Katalog–Festschrift.

Nach seinem aus Gesundheitsgründen erfolgten Rücktritt 1962 wurde der Siemens–Direktor Franz Bunzl–Gecman zum 1. Vorsitzenden gewählt, der aber schon im folgenden Kalenderjahr verstarb. Nachfolger wurde 1964 der Kunsthistoriker Dr. Dr. Herbert Paulus, Leiter der Volkshochschule Erlangen. 1969 übernahm Dr. Hildegard Grau, Gymnasialprofessorin i.R., die Geschäftsführung und praktisch die Leitung der Vereinstätigkeit bis 1986. In diesen Jahrzehnten entwickelten sich Aktivitäten auf einem früher kaum wahrgenommenen Gebiet: der Austausch mit ausländischen Künstlervereinigungen und Galerien, ganz besonders mit Erlangens Partnerstädten Eskilstuna, Rennes, Jena und Wladimir, später auch mit Stoke-on-Trent. Auch konnte Dr. Hildegard Grau mit Karl Graf von Schönborn–Wiesentheid, dem Herrn des Schlosses in Pommersfelden, eine Vereinbarung treffen, wonach alle zwei Jahre im Sommer während der Konzertsaison im Schloss eine gesamtfränkische Kunstausstellung unter Federführung des KVE durchgeführt werden sollte. Die Biennale "Malerei und Plastik in Franken" durfte höchst erfolgreich von 1969 bis 1999 dort abgehalten werden. Die Attraktivität der Schau für die Kunstschaffenden beruhte seit 1993 nicht zuletzt auf der Vergabe des ansehnlichen Kunstpreises der Nürnberger Nachrichten. Der jetzige bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Thomas Goppel, war dort ebenso zu Gast wie der damals amtierende Bundespräsident Roman Herzog.

Dem Nachfolger von Dr. Dr. Paulus als 1. Vorsitzender, Dr. Ludwig Zeus, Arzt und Stadtrat, gelang ein großer Wurf. Die Stadt Erlangen stellte 1972 dem Kunstverein mit einem offiziellen Mietvertrag im Palais Stutterheim drei Räume als eigene Galerie zur Verfügung, außerdem Lagerräume im Kellergeschoss. Der Mietvertrag für die KVE–Galerie ist bis heute unverändert gültig geblieben.

Eine ganz neue Situation ergab sich für den Kunstverein mit der Schaffung des Städtischen Referates für Kultur, Jugend, Sport und Freizeit 1973, der 1988 die Einrichtung einer Amtsleitung folgte. Der Kunstverein trat gewissermaßen ins zweite Glied zurück bzw. wurde dorthin zurückgetreten. Die Jubiläums–Festansprache ist aber nicht der Ort, an dem gescholten werden darf. Dem Kunstverein blieb, wie sich sehr bald herausstellte, die Betreuung der heimischen Künstler überlassen.

Unter der Vorstandschaft von Renate Werbelow konnte 1996 die Neue Galerie des Kunstvereins in der Hauptstraße eingerichtet werden, die eine geeignete Möglichkeit zu regelmäßigen Präsentationen unserer Künstler und Gäste gewährt. An den Veranstaltungen zur Tausendjahrfeier Erlangens 2002 beteiligte sich der Kunstverein mit der erstmals hier durchgeführten Ausstellung "Malerei und Plastik in Franken".

An dieser Stelle möchte ich den historischen Rückblick auf die ersten hundert Jahre Kunstverein Erlangen abschließen. Meine Damen und Herren: Gestattten Sie mir zum Schluss einige Überlegungen grundsätzlicher Art.

Das Bild der Kunst hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Die traditionellen Gattungen – Malerei, Skulptur, Grafik – reichen nicht mehr aus, Stilbegriffe als Unterscheidungskriterien sind problematisch und nationale Kriterien gar obsolet geworden. Das Schlagwort für unsere Zeit heißt Postmoderne. Mit diesem Begriff darf man sich einverstanden erklären, da dann Ausschließlichkeitsansprüche nicht mehr erhoben werden können, wie es zuletzt beim universalen Geltungsanspruch der "Weltsprache" Abstraktion der Fall war. Aber "anything goes" – diesen Leitspruch wollen wir uns nicht zu eigen machen. Es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Zum Beispiel im Bereich der Performance: Das Schockieren des Publikums muss dort aufhören, wo das Humanum verletzt wird. Für rassistische oder antisemitische Ideologien haben wir keinen Raum, bei Menschen– oder Tierquälerei endet die Freiheit der Kunst. Auch darf die künstlerische Qualität nicht unbeachtet bleiben.

Es wird uns gesagt, dass sich auch das Kunstverständnis in den letzten Jahren grundsätzlich geändert habe. Die sogenannte ernste oder klassische Kunst und die Unterhaltungs– oder Eventkunst seien zusammenzuführen. Man solle sich jetzt einem an Freizeit orientierten Angebot zuwenden. Auch hier müssen Einschränkungen angemeldet werden. Die geforderte populäre Kunst ist charakterisiert durch ihre Sehnsucht nach Bildern der Harmonie und Wunscherfüllung. Sie blendet die Tragik des Lebens und des Seins aus, die auch in Zukunft ein Thema echter Kunst bleiben muss.

Kunst rückt Wirklichkeit anders in den Blick, als sie uns vertraut ist. Sie drängt auf Auseinandersetzung und Diskussion. Wo, meine Damen und Herren, könnte das besser erfolgen als im Verein? Der Kunstverein lebt davon, dass immer noch etwas übrig bleibt, das besprochen und getan werden muss. Verehrte Anwesende, nehmen auch Sie daran teil!

Lassen Sie mich schließen mit dem herzlichen Dank an Vorstand und Mitarbeiter des Kunstvereins, und an Sie, die so lange ausgehalten haben.

Dem Kunstverein Erlangen alles Gute für die nächsten hundert Jahre!

Joh. Adam Stupp

Kurzbeschreibung | Festansprache | Ausstellung | Werkeverzeichnis


Gedächtnisausstellung

100 Jahre Kunstverein Erlangen

1904 - 2004

Ein Beitrag von Dr. Kurt Jauslin
Kunsthistoriker und Journalist

Das lateinische Wort "Memoria" bedeutet, ins Deutsche übertragen, sowohl "Gedächtnis" wie "Erinnerung". In diesem doppelten Sinn will diese Ausstellung, die der Kunstverein Erlangen aus Anlaß seines 100jährigen Bestehens veranstaltet, Namen und Werke in Erinnerung rufen, die zum Teil schon aus dem Gedächtnis verschwunden sind. Zumindest unter den Künstlerinnen und Künstlern, die noch im 19. Jahrhundert oder zu Beginn des 20. geboren sind, werden sich Namen finden, die nur noch Spezialisten geläufig sind.

Der Ausgangspunkt dieser Ausstellung ist also ein historischer, und zwar in dem Sinn, daß der Historiker vordringlich damit befaßt ist, die Bedeutung des Vergangenen für die Gegenwart zu erhellen, Zusammenhänge sichtbar zu machen und Widersprüche offen zulegen, die den unmittelbaren Zeitgenossen verborgen geblieben sind. Damit ist selbstverständlich nicht gemeint, daß die künstlerische Qualität außer Betracht bleiben soll. Ganz im Gegenteil geht es darum, die Qualitäten von Kunstwerken (wieder) zu entdecken, die in Archiven und Magazinen ein unbeachtetes und, wie man sagen muß, ihnen unwürdiges Dasein fristen.

Die 100 Jahre, auf die der Kunstverein zurückblickt, entsprechen exakt der Zeit des 20.Jahrhunderts, dem Zeitraum, der in der Kunstgeschichte für die "klassische Moderne" steht. Gleichwohl ist offenkundig, daß die ausgestellten Arbeiten mit wenigen Ausnahmen, aus der Zeit nach 1945 stammen. Das hängt bekanntlich mit der deutschen Geschichte zusammen: Die Vernichtung der klassischen Moderne durch den Nationalsozialismus zugunsten einer ideologischen und rassistischen Blut-und-Boden-Romantik hat zu einer gigantischen Lücke geführt. Nach Expressionismus und Neuer Sachlichkeit, den letzten international wirkenden Äußerungen der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts, wurde in den 30er Jahren das Experiment der Moderne in Deutschland abgebrochen.

Das bekannte "braune Loch" zwischen 1933 und 1945 wollte diese Ausstellung allerdings nicht dokumentarisch ausfüllen. Statt dessen wurde versucht, mit zwei kleinen Sonderausstellungen den historischen Ort in der Vergangenheit zu fixieren, an dem die künstlerische Erneuerung nach 1945 ansetzen konnte.

Die erste ist Hans Barthelmeß gewidmet, der 1916 im Alter von erst 30 Jahren im 1. Weltkrieg gefallen ist. Sein Werk spiegelt den mühsamen Prozeß der Abnabelung von der realistischen Malerei des späten 19. Jahrhunderts mit ihren impressionistischen Anklängen bis zur Ausprägung einer eigenen expressiven Handschrift. Er gehört damit gewiß zu den Gründervätern der neuen Fränkischen Moderne in der zweiten Zeitenwende nach 1945.

Über die Lücke des 3. Reiches hinweg wird die Verbindung zwischen der Kunst nach 1945 mit der Kunst nach 1900 sichtbar. Auf merkwürdige Weise scheint sich die Entwicklung, die Barthelmeß in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg vorgeprägt hatte, nach dem 2. Weltkrieg nochmals im Zeitraffer zu wiederholen, wie es vor allem am Werk der Künstler aus der Generation der kurz vor und nach 1900 Geborenen, z. B. bei Klaiber, Dietz, Weidenbacher und Wilhelm sichtbar ist.

Die zweite Sonderausstellung ist Ernst Penzoldt gewidmet, dem Nicht-Maler, Nicht-Zeichner und Nicht-Bildhauer, der gleichwohl neben seiner schriftstellerischen Arbeit hartnäckig weiter gezeichnet, gemalt und gebildhauert hat. Er ist der Amateur, der sich um keine Stile und Schulen kümmert, ein "Primitiver", der sich produktiv an die kreativen Potentiale der Kinderzeichnung erinnert, sozusagen außer Konkurrenz und vollständig unbeeindruckt von der Kunst-Diktatur der Nationalsozialisten.

In diesen beiden Lebenswerken finden sich Tendenzen formuliert, die in der Auseinandersetzung um die "moderne" Kunst nach 1945 in Franken nicht viel anders hervortraten, als in der ganzen Bundesrepublik. Auf den Jahrzehnten zwischen 1945 und der Gegenwart liegt der Schwerpunkt der Ausstellung schon aus Gründen ihrer Thematik. Ein wesentlicher Grund ist aber, daß die durch Krieg und Nachkrieg vielfach gebrochenen Biographien auch bei Künstlern der älteren Generation oft einen Neuanfang erforderten.

Selbstverständlich sehen wir diese Kunst mit andern Augen, als die Zeitgenossen. Der Streit um die abstrakte Malerei, der bis zum Ausgang der 60er Jahre bundesweit mit einer, wohl spezifisch deutschen Erbitterung geführt wurde, scheint aus der Distanz nahezu unverständlich. Gegenständliches und Nicht-Gegenständliches tritt im Rückblick weniger als Gegeneinander sondern eher als Nebeneinander und darin bis heute fortwirkend auf. Das gilt sowohl für die durch Reduktion des Gegenständlichen entstandene frühe abstrakte Malerei, wie sie im Werk Hermann Wilhelms oder beim frühen Ernst Weil zu sehen ist, wie für die autonome Gegenstandslosigkeit bei Walter Zimmermann, Egon Eppich und in dem in seiner Entstehungszeit absolut aktuellen Informel von Gerhard Baumgärtel und Robert Fork.

Zum Abschluß bleibt der Dank an die Leihgeber, ohne deren tatkräftige Hilfe diese Ausstellung nicht möglich gewesen wäre. In erster Linie sind hier zu nennen das Stadtmuseum mit Herrn Engelhardt, das Stadtarchiv und Herr Dr. Jakob, Frau Leicht für die Firma Siemens und das Kunstmuseum Erlangen, sowie Herr Nürmberger, der Teile seiner Sammlung zur Verfügung gestellt hat, neben weiteren privaten Leihgebern. Trotz der gemeinsamen Bemühungen muß das Ergebnis lückenhaft bleiben. Das rührt daher, daß es bis heute keine wirkliche Initiative zur Sammlung und Inventarisierung der aus der Region hervorgegangenen Kunstwerke gibt. Sie sind im Wortsinn in alle Welt verstreut.

Kurt Jauslin

Kurzbeschreibung | Festansprache | Ausstellung | Werkeverzeichnis


Verzeichnis der ausgestellten Werke

Gemälde | Grafik und Aquarell | Plastik | Sonderausstellungen

1. Gemälde

Gerhard Baumgärtel
Peter Bina
Lieselotte Blencke
Peter Dik
Jakob Dietz
Egon Eppich
Robert Fork
Otto Grau
Fritz Heidingsfeld
Tugomir Huberger
Christian Klaiber
Eitel Klein
Otto Meister
Paul Plontke
Eleonore Schmitt-Herrling
Oskar Johannes Stanik
Hans Joachim Stenzel
Otto Weidenbacher
Ernst Weil
Hermann Wilhelm
Walter Zimmermann

Gerhard Baumgärtel (*10.6.1924 Rostock, +20.8.1984 Fürstenfeldbruck)

Peter Bina (*6.7.1888 Fürth, +2.3.1969 Erlangen)

Lieselotte Blencke (*1918 Braunschweig, +1992 Erlangen)

Peter Dik (*1939 Gjaden/Altai, +2002 Worpswede)

Jakob Dietz (*20.3.1889 Erlangen, +5.8.1960 Nürnberg)

Egon Eppich (*23.8.1927 Gottschee / Slowenien, +31.10.1982 Fürth)

Robert Fork (*1904 [?], +1978 Forchheim)

Otto Grau (*1913 Erlangen, +1982, Erlangen)

Fritz Heidingsfeld (*1907 Zoppot, +1972 Nürnberg)

Tugomir Huberger (*1931 Zagreb, +2001 Erlangen)

Christian Klaiber (*17.8.1892 Rothenbuch, +9.12.1963 Nürnberg)

Eitel Klein (*1906 Hörlbach, +1990 Nürnberg)

Otto Meister (*20.3.1889 Erlangen, +5.8.1960 Nürnberg)

Paul Plontke (*18.6.1884 Breslau, +29.3.1966 Erlangen)

Eleonore Schmidt-Herrling (*1877 Weimar, +1960 Erlangen)

Oskar Johannes Stanik (*22.5.1921, +24.4.1989 Erlangen)

Hans Joachim Stenzel (*1926 Neusalz/Oder, +1998 Schirmitz)

Georg Weidenbacher (* 1905 Nördlingen, + 1984 Fürth)

Ernst Weil (*1919 Frankfurt, +1981 München)

Hermann Wilhelm (*1897 Lauenstein, +1970 Nürnberg)

Walter Zimmermann (*1920 Elberfeld, +2002 Möhrendorf)

2. Graphik und Aquarell

Jakob Dietz
Georg Hetzelein
Willi Hilpert
Dieter Krebs
Hans Otto
Bernhard Postner
Rudolf Schiestl
Adolf Schinnerer
Eleonore Schmidt-Herrling
F.W. (Friedrich Wilhelm) Schmidt
Lothar Strauch
Christian Wrede

Jakob Dietz (*20.3.1889 Erlangen, +5.8.1960 Nürnberg)

Georg Hetzelein (*1903 Hofstetten b. Roth, +2001 Regelsbach)

Willi Hilpert (*1909 Erlangen, +1986 Erlangen)

Dieter Krebs (1937 Rothenburg o.d.T., +1991 Hirschbach Opf.)

Hans Otto (*1904 Leipzig, +1993 Erlangen)

Bernhard Postner (*1924 Erlangen, +1998 Regensburg)

Rudolf Schiestl (*1878 Würzburg, +1931 Nürnberg)

Adolf Schinnerer (*1876 Schwarzenbach/Saale +1949 München)

Eleonore Schmidt-Herrling (*1877 Weimar, +1960 Erlangen)

F.W. [Friedrich Wilhelm] Schmidt (*1915 Schorgast, +1992 Erlangen)

Lothar Strauch (*21.12.1907 Stuttgart, +27.12.1991 Erlangen)

Christian Wrede (*10.5.1896 Erlangen, +13.1.1971 Erlangen)

3. Plastik

Walter Bischoff
Hans Gügel
Gudrun Kunstmann
Hans Lederer
Lothar Strauch
Christian Wrede

Walter Bischoff (*5.7.1885 Wassertrüdingen, +1.6.1945 Aachen)

Hans Gügel (*7.9.1907 Wimmelbach, +14.2.1990 Erlangen)

Gudrun Kunstmann (*1917 Erlangen, +1994 Nürnberg)

Helmut Lederer (*8.8.1919 Eger, +11.2.1999 Erlangen)

Lothar Strauch (*21.12.1907 Stuttgart, +27.12.1991 Erlangen)

Christian Wrede (*10.5.1896 Erlangen, +13.1.1971 Erlangen)

4. Sonderausstellungen

Hans Barthelmeß
Ernst Penzoldt

Hans Barthelmeß (*5.12.1887 Erlangen, +11.7.1916)

Ernst Penzoldt (*14.6.1892 Erlangen, +27.1.1955 München)

Kurzbeschreibung | Festansprache | Ausstellung | Werkeverzeichnis


Zuletzt geändert am 22.01.2004