Ausstellung


 
 
 
Georg Baier

Wechselwirkungen
Zeichnungen


Der Kunstverein Erlangen e.V. lädt Sie und Ihre Freunde herzlich ein zur
 
Ausstellungseröffnung
am Donnerstag, 2. Feb. 2006, 19 Uhr
Neue Galerie des KVE
 
Begrüßung
Heinz-Uwe Fischer,
1. Vorsitzender des KVE
 
Einführung
Pierre Leich, ART Gruppe
 
Ausstellungsdauer/-ort
02. Feb. bis 03. März 2006
Neue Galerie des KVE
Hauptstraße 72,  91054 Erlangen,
Tel. 09131/26867, Fax 09131/28110
 
Öffnungszeiten
Di, Mi, Fr      15 bis 18 Uhr
Donnerstag   15 bis 19 Uhr
Samstag      10 bis 14 Uhr
 
Künstlergespräch
Donnerstag, 23. Feb. 2006, 18 Uhr


Die "Wechselwirkungen" von Georg Baier
sind mit Vorsicht zu genießen

Vernissage in der neuen Galerie des KVE am Do, 2. Feb. 2006 um 19 Uhr
Einführung in das Werk des Künstlers von Pierre Leich, ART Gruppe

Arbeiten

Sein Sie froh, dass diese Ausstellung in den Räumen des KVE gezeigt wird und nicht im Bahnhofstunnel. Die Figuren dieses Zeichners sind genau solche, denen man nachts in einem dunklen Tunnel eben nicht begegnen möchte. Auch wenn die dargestellten Personen frei erfunden sind und jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen rein zufällig ist, konfrontieren sie uns mit der eher dunklen Seite des Lebens. Es sind Verlierer, Menschen vor dem Absturz, Leute, die nichts Gutes im Schilde führen oder doch zumindest mit Vorsicht zu genießen sind wie die beiden Herren auf der Einladungskarte.

Die Arbeiten Georg Baiers sind Spiegel menschlichen, allzu menschlichen und nicht zuletzt unmenschlichen Verhaltens. Diese Fratzen, Grotesken und Strichmännchen mit ihrem diabolischen Grinsen sind kritische, ironische und freche Notate zum Alltag. Sie wirken durch die gekonnte Darbietung oft recht komisch. Hinter den humorvollen Zeichnungen verbirgt sich zwischen lässiger Ironie und schwarzem Sarkasmus aber ein kritischer Geist, der den Betrachter auf die Unzulänglichkeiten des menschlichen Alltags aufmerksam machen will.

Der Titel dieser Ausstellung "Wechselwirkungen" zielt auf ein Netzwerk von Verstrickungen, in dem sich Dummheit, Gier, Ignoranz und Boshaftigkeit verwickelt haben. Es geht um Wechselwirkungen innerhalb der gesellschaftlichen Umwelt wie auch im Psychischen. Indem er Facetten des Alltags aufs Korn nimmt, handeln die Arbeiten von Georg Baier von Entfremdung zwischen den Menschen, von Abhängigkeit, Einsamkeit und Menschenverachtung.

Der Spiegel, den der Künstler sich und uns vorhält, ist ein Zerrspiegel - einer, der Verstümmelungen, Verletzungen, Absonder- und Scheußlichkeiten potenziert. Erst in dieser verzerrten Optik lässt sich die Wahrheit der Dinge erkennen. Dabei steckt hinter den poetischen Bildern ein gehöriges Stück sensiblen Umgangs mit den Lebensbedingungen. Hinter die blendenden Fassaden bürgerlicher Wohlanständigkeit schauen zu wollen, macht im Allgemeinen nicht besonders beliebt. Als mildernde Umstände macht die sezierte Gesellschaft allenfalls "kindliche" Naivität des Nachfragenden geltend und Georg Baier kann sich auf eine gewisse vorgetäuschte Unschuld berufen.

Person

Sie sehen also: Die Figuren des Georg Baier haben alle irgendwie einen Hau. Ob einen solchen der Künstler ebenfalls hat, mögen Sie selbst entscheiden. Ich kann Ihnen zumindest versichern, dass wir es hier mit einem manischen Zeichner zu tun haben.

1953 in Aurachtal geboren absolvierte Georg Baier zunächst eine Ausbildung zum Grafiker. Seit 1986 kann er von seiner künstlerischen Arbeit leben und ist freischaffend tätig. Seine frühere Tätigkeit als Werbegrafiker sieht er aus vorsichtiger Distanz: Diese Arbeit enge ihn ein, sie sei nicht kreativ, sondern "geplant".

Die Ergebnisse seines Experimentierens waren bereits in einer Reihe von Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Mehrere Galerien im bayerischen Raum haben seine Werke präsentiert, schon auf den ART Nürnberg-Kunstmessen war er regelmäßig mit einem Stand vertreten und Kunstvereine aus dem süddeutschen Raum laden ihn regelmäßig ein.

Er ist Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler, im Kunstverein Erlangen und bei der Albrecht Dürer Gesellschaft Nürnberg. 1997 erhielt er den Kunstpreis des Kunstvereins Höchstadt. Öffentliche Ankäufe tätigte u.a. das Finanzbauamt Ansbach.

Die Profile dieser Ausstellung grinsen uns nicht nur teuflisch an. Georg Baier zeichnet wie der Teufel. In seinem Atelier in Falkendorf entstehen täglich Zeichnungen. Inzwischen dürften es 8-10 Tsd. an der Zahl sein. So entsteht seit Jahren ein Tagebuch und jede Arbeit drückt eine Seite seines Lebens aus.

Sie alle entspringen einer spontanen Idee, entstehen aus der persönlichen Situation und die Gemütslage, in der er sich gerade befindet, spielt eine große Rolle. Der Künstler weiß am Anfang nicht, was am Ende dabei herauskommt. Es sind meist flüchtige Gedanken, die er manchmal in 30 Sekunden, manchmal in einer Stunde aufs Blatt überträgt. Es sind einmalige Vorgänge, nichts wird korrigiert und jede Zeichnung wird am gleichen Tag abgeschlossen.

Die Inspirationen stammen aus der Umgebung, seien es gesellschaftliche Einflüsse oder die Beobachtung von Menschen. Dennoch arbeitet Kunst-Workaholic Baier spontan und spielerisch. Seine figurativen Collagen sind menschlich-gesellschaftliche, keine politischen Stellungnahmen. Er hält ohnehin nichts von der "läuternden Wirkung" der Kunst, will nichts wissen von dem Zwang, stets "etwas ausdrücken" zu müssen. Seine Bilder verdanken dem ihre erstaunliche Leichtigkeit, sind geradezu heiter.

Der Künstler selbst hält seine Werke für "realistische" und wirklichkeitsnäher als viele realistische Landschaften, die in Wirklichkeit geschönte Idyllen zeigen, ohne Fernsehantennen, Stromleitungen und Autos.

Technik

Georg Baier liebt es, mit den Möglichkeiten malerischer und zeichnerischer Techniken zu spielen und verwendet oft verschiedene Materialien gleichzeitig. Neben Acrylfarben arbeitet er mit Gold und Silber ebenso wie mit Aquarell-, Pastell- und Pigmentfarben. Oft sind sechs oder sieben Schichten bereits übermalt, bevor der Künstler die einzelnen Bildelemente zu einer Komposition zusammenfügt. Diese spontane gestische Arbeitsweise, dieses Verbinden von malerischem und zeichnerischem Duktus findet man auch in seinen Arbeiten auf Papier. "Mischtechnik auf Papier" steht für Bleistift, Lacke und Kugelschreiber, denn der trägt dicker auf.

Rezeption

Um den Betrachter frei von Vorgaben zu halten, verzichtet Georg Baier in der Regel auf Titel. Er will Spielraum für Interpretation geben, weil jeder Betrachter einen anderen Hintergrund hat. Natürlich provoziert er, aber er will aufrütteln, aufmerksam machen und erwartet, dass sich die Menschen selbst Gedanken machen.

Die Figuren, die uns auf weiße Blätter gezeichnet angrinsen, Grimassen schneiden, höhnen, tänzeln oder sich amüsieren schauen uns an und versuchen uns zu beeinflussen, sich untereinander und vielleicht auch mit uns auszutauschen. Der Künstler Georg Baier tritt über seine "Gestalten" in Kontakt zu seiner Umwelt, den Betrachtern und auch der Gesellschaft an sich, er versucht, so der Titel der Ausstellung, eine "Wechselwirkung" einzugehen.

Georg Baiers Arbeiten stehen oft im Mittelpunkt reger Gespräche. Sie gefallen spontan oder werden abgelehnt. Mir gefallen sie, Ihnen hoffentlich auch.

Ich darf im Namen des Künstlers abschließend dem Vorsitzenden Heinz-Uwe Fischer und der Geschäftsführerin Ulrike Frau Götz von KVE danken und Sie auf das Künstlergespräch am 23. Februar 2006 um 18 Uhr aufmerksam machen.


Kurzvita Pierre Leich

1984-1989Vorsitzender der Kunstmesse "ART Nürnberg"
1989-1994Chefredakteur der Kunstzeitschrift "Part of Art"
Seit 1995Vorträge und Publikationen zu astronomischen und wissenschaftsgeschichtlichen Themen
1995-2005Gesellschafter der artWare Galerie
1998-2000Projektleiter für den "Kunstpreis Ökologie" von AEG Hausgeräte
1999-2002Projektbüroleiter für das 1000-jährige Jubiläum von Erlangen
2000Ausrichtung der "4. Dt. Meisterschaft im Improvisationstheater"
Seit 2003Geschäftsführer des "Theatersport Deutschland Verein zur Förderung des Improvisationstheaters e.V."
Seit 2003Projektleiter der "Langen Nacht der Wissenschaften" im Großraum Nürnberg
2005Geschäftsführer für die Bewerbung Erlangen um den Titel "Stadt der Wissenschaft 2007"

Aktualisiert am 08.02.2006