Ausstellung


Der Kunstverein Erlangen e.V. präsentiert vom 9. bis 31. März 2006

Monika Dorband
Acrylbilder, Aquarelle, Mischtechniken

Zur Vernissage am 9. März 2006 um 19 Uhr laden wir Sie sehr herzlich ein.
Einführung: Dr. Joachim Haas, 1. Vorsitzender des Kunstvereins Schweinfurt e.V.

Die Künstlerin ist anwesend bei der Vernissage, an den Samstagen und beim Künstlergespräch am 23. März 2006 um !9 Uhr.

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Fr: 15 bis 18 Uhr
Donnerstag: 15 bis 19 Uhr
Samstag: 10 bis 14 Uhr

Kunstverein Erlangen e.V.
Hauptstr. 72 - 91054 Erlangen
Fon/Fax 09131-26867/-28110
info@kunstverein-erlangen.de
www.kunstverein-erlangen.de


Tiefer in Rot


 
TIEFER INS ROT

Schritt für Schritt tiefer
Alle Farben im Raum verblassen
Rot drängt sich nach vorn
Nimmt Kontakt auf zu Dir
Ruft Dich, lockt Dich
Du kannst nicht mehr wegschauen
Langsam gehst Du darauf zu
Suchst Dir einen Eingang
Ein Zeichen, eine Öffnung
Einen Wegweiser, einen Pfeil
Und gehst hinein
Du wanderst im Farbraum
Schwebst, ruhst
und lädst Dich auf mit Energie
Alles ist möglich Und nichts


Ausgestellte Arbeiten

Aquarelle: meist im Sommer im Freien gemalt, oft ausgehend von einer Landschaft

Acrylbilder: auf Leinwand oder Papier

Mischtechniken: aus Farbradierungen von mehreren Platten, übermalt oder teilübermalt mit Acrylfarben und Farbstiften. Zusätzlich zu den an vielen Stellen sichtbaren Kaltnadelstichen wurden Linien und kleine Zeichnungen mit Buntstiften und Bleistift hinzugefügt. Jede Arbeit ist ein Unikat.

Radierungen: Flächenätzung kombiniert mit Kaltnadel

Die Namen und Titel der Bilder sind für mich Erinnerungen an den Entstehungsprozess, der oft intensiv mit dem Hören von Musik verbunden ist ...
Sie sollen die Interpretation des Betrachters nicht beeinflussen.

Monika Dorband »


Einführung in die Ausstellung
"Monika Dorband -Tiefer ins Rot"
am 9. März 2006 im Kunstverein Erlangen
 
von Dr. Joachim Haas
1. Vorsitzender des Kunstvereins Schweinfurt

Mit dem vielversprechenden und fast philosophischen Ausstellungstitel "Tiefer ins Rot" präsentiert sich die Schweinfurter Künstlerin Monika Dorband mit Acrylbildern, Aquarellen und Mischtechniken in den schönen Räumen des Kunstvereins Erlangen.

Der Besucher wird feinsinnige, meditativ und spielerisch anmutende und vor allem chromatisch intensive Bilder bewundern können, zu denen und deren Schöpferin ich Ihnen einige Informationen geben und Gedanken übermitteln darf.

Persönlich freue ich mich als Vorsitzender des Kunstvereins Schweinfurt wieder einmal in Erlangen eine Ausstellung eröffnen zu dürfen, noch dazu mit der von mir hierher empfohlenen Malerin Monika Dorband, deren erfolgreiche künstlerische Laufbahn ich seit langen Jahren aufmerksam beobachte. Meine diesbezügliche Ausstellungsanregung an den sehr geehrten Kollegen Fischer kam daher nicht von ungefähr, hat es doch das Werk der Künstlerin verdient, in einem solchen Rahmen gezeigt zu werden. Dieses Zeigen erstreckt sich über einen Großteil des Oeuvres und ist hier räumlich geschickt aufgeteilt in Arbeiten einmal Acryl auf Leinwand, ein anderes Mal Aquarelle aus den Jahren 2003 - 2005 und letztlich Mischtechniken vornehmlich bestehend aus übermalten Radierungen, einer ganz besonderen Stärke Monika Dorbands. Gratulation daher zur Auswahl und Hängung.

Vorab aber zur Person der Künstlerin:

Monika Dorband ist 1948 in Worms geboren, studierte Soziologie an der Universität München und übte ihren Beruf als Diplom-Soziologin mehrere Jahre in der Industrie aus.

Sie begann 1973 künstlerisch zu arbeiten, indem sie sich intensiv mit verschiedenen Techniken der Malerei, insbesondere der Aquarell- und Temperamalerei sowie Aktzeichnungen beschäftigte. Studienreisen in die Sahara, nach Zentral- und Ostafrika, Indien, Nepal und in den Vorderen Orient begleiteten im Zusammenhang mit längeren Italienaufenthalten ihre Zeit des Erlernens der Radiertechnik ab 1981 bei der für sie wegweisenden Schweinfurter Künstlerin Eschrat Tellert. Dort beschäftigte sich Monika Dorband besonders mit dem Experimentieren mit der Farbradierung, also der Technik der Zeichnung mit Kaltnadel auf Kupferplatte und anschliessender Flächenätzung und dem Druck und erlernte diesbezüglich die handwerkliche und künstlerische Grundlage, die bei ihr zur meisterlichen Befähigung für ihre späteren Mehrfarbendrucke mit mehreren Platten führte.

Ab 1998 hat sie ihre Erfahrungen der vergangenen Jahre zusammengefaßt: so entstanden dann Mischtechniken aus Farbradierungen von mehreren Platten übermalt mit Acrylfarben und kombiniert mit zeichnerischen Elementen.

Letztlich entwickelt sich hieraus der heute zu sehende gemalte und gezeichnete Farbraum mit winzigen Zeichen, Linien und surrealistischen und abstrakten Formen. Ein Farbraum, der von ihr solange komponiert wird, bis er - wie sie selbst sagt - im Gleichgewicht ist und nicht mehr auseinanderzufallen droht.

Womit wir schon mitten in der Besprechung ihrer Werke sind:

Ziel Monika Dorbands war und ist, mit ihren Bildern sich selbst und natürlich auch dem Betrachter Farb- und Freiräume zu schaffen, in denen Inspiration, Freude und Ruhe zugleich möglich sind.

Die Künstlerin möchte den Betrachter nicht nur vor dem Bild stehen lassen, sondern lädt ihn ein, in einen - wie hier - roten Farbraum einzudringen und im Bild drinnen zu verweilen. Durch ein unsichtbares Fenster, das sich der Kunstfreund innerlich selbst öffnet, soll er das Bild betreten und eine Reise machen, das Bild durchwandern und sich dessen Inhalt erschließen, jeder auf seine Weise und mit seinem eigenen emotionalen Erfolg.

Im Bild sind Schwerpunkte, sogenannte "Kraftfelder" vorhanden, zwischen denen der Blick des Betrachters wandern kann. Dazwischen liegen Orte, an denen man im angenehmen Schwebezustand verweilen kann, einem Zustand, den auch die Künstlerin beim Entstehen der Werke genießt und der wohl auch als eine Art Meditationsstadium gesehen werden kann.

Vorherrschende Farbe bei den hier ausgestellten Werken ist dem Thema entsprechend ersichtlich Rot in vielen Variationen. Das besagt aber nicht, dass die Künstlerin nicht auch mit anderen Farben arbeitet, besticht doch ihr Gesamtwerk gerade durch die Farbgebung und macht sie zu einer Art "Farben-Malerin, wie die Kunstkritikerin Katharina Winterhalter sie betitelt hat. So gibt es neben Feuerrot auch Bilder in Feuerorange, Meeresblau, Frühlingsgrün und Sonnenblumengelb.

Andrea Brandl von den Städtischen Sammlungen Schweinfurt weist insoweit darauf hin, dass Monika Dorband mit sicherem Gespür für subtilste Abstufungen den Blättern mit der Radiertechnik eine ungewöhnliche Tiefe und faszinierende Leuchtkraft entlocke und man dabei den Eindruck habe, als käme - durch eine unsichtbare Lichtquelle verursacht wie z.B. bei bunten Kirchenfenstern - der Lichteinfall von hinten. Mehr dazu aber noch bei der Besprechung der grafischen Arbeiten.

Vorerst aber zurück zum Ausstellungsthema "Tiefer ins Rot":

Die Farbe "Rot" hat eine äußerst starke Wirkung. Rot steht für Leben, Liebe, Wärme und Kraft. Rot überträgt Energie. Wir kennen das Glutrot der untergehenden Sonne und das lebendige Rot des Feuers. Rote Farbe wahrnehmen macht stark - gibt Kraft.

Lassen Sie heute dieses Phänomen einfach einmal auf sich wirken, und zwar nicht nur bei den großformatigen Arbeiten; Sie selbst werden dies dann bestätigen und die Ausstrahlungen der roten Farbe mit nach Hause nehmen.

Warum nun "Tiefer" in dieses Rot?

Das kann natürlich nur gedanklich, seelisch, innerlich gemeint sein, und emotionenauslösend, energiefördernd, stärkend für Malerin und Bildbetrachter!

Es sollen keine papier- oder leinwandaufgetragenen oberflächlichen Darstellungen sein, die Monika Dorband schaffen will. Vielmehr will sich die Künstlerin mit ihren Werken selbst innerlich stärken, so mein Eindruck, weil sie ihre Gefühlswelt in ihren Bildern offen zur Schau stellt und damit dem Betrachter Aufschlüsse und auch positive Zeichen und Anregungen gibt.

Nicht zu Unrecht schildert sie ihr Motiv zum künstlerischen Schaffen unter anderem dahingehend, dass das Malen die einzige Situation sei, die nicht fremdbestimmt ist, nur sie allein könne das Bild bestimmen, mit ihm kommunizieren , ins Bild "reinschlüpfen und wie ein kleines Tierchen darin herumgehen". So möchte sie auch den Kunstinteressenten zum aktiven Tun, zum Nachdenken und zum Nachvollziehen der Situation "im Bild" bewegen.

Dazu zwei Zitate zu den Gefühlen der Künstlerin bei jedem einzelnen Bild:
 
"Es ist ein Fenster zu einer imaginären Welt"
 
"Ich bin immer mit meinem Kopf im Bild und habe bei jedem neuen Bild auch ein neues Leben".

Die oben erwähnte Meditationswirkung dürfte damit bestätigt sein.

Die Bilder entstehen meist bei musikalischer Untermalung, wobei die Musikrichtung sehr unterschiedlich ist: Louisiana-Zydeco löst indische Melodien ab, Jazz und elektronische Musik wechseln mit klassischen Werken.

Ihre Mal-Künstlerfavoriten sind Paul Klee, Pablo Picasso und Anselm Kiefer, wobei ich aber Einflüsse von Miro und Chagall nicht ausschließen möchte.

Als großer Verehrer und als Kenner des Werkes von Paul Klee kann ich bei Monika Dorband Elemente seiner Arbeitsweise direkt nachvollziehen:

Die geometrischen Zeichen wie Dreiecke und Rechtecke, Punkte und runde Formen und bestimmende Linien sind wesentliche Bildbestandteile, die - ich zitiere wiederum Frau Andrea Brandt - sich bei den flächig angelegten Farbvariationen bei genauerem Hinsehen als wahre Spielfelder mit kleinsten und aberkleinsten Chiffren oder figürlichen Darstellungen entpuppen, die gezeichnet, mit Filzstift ins feuchte Blatt geritzt oder nur vage angedeutet sind, eine "wimmelnde Welt von surrealistischen und abstrakten Formen darstellen. (Beispiel Bildtitel "Harry Potter")

Vielleicht auch in Anlehnung an den Beruf des Ehemanns, der Architekt und Statiker ist, bestimmt Monika Dorband in ihren Bildern Formen im Raum fast wie eine Tragwerksplanung. So werden auch Scheinarchitekturen von südländischen und orientalischen Bauten erstellt in Verfolgung ihres Grundsatzes, wonach jeder Raum ein Gefüge brauche, damit er nicht auseinanderfällt. Sie beginnt allerdings ihre Werke nicht mit einem Komplettkonzept, sondern mit Zeichen und Linien an Schnittstellen gleichermaßen als "stabiles Gerüst". Dann arbeitet sie intuitiv und intensiv vertieft mehrere oder sogar viele Stunden hintereinander. Winters in ihrem Dachatelier am Abend oder sogar nachts, im Sommer dann tagsüber und zumeist im Freien.

Sie genießt das Gefühl künstlerisch zu arbeiten, zu Malen und sagt hierzu: "Es ist am Schönsten, wenn nichts mehr anderes existiert".

Wieder diese Meditation, das Herbeisehnen und das Herbeiführenkönnen des bereits geschilderten Schwebezustandes im Bild!

Mit den Arbeiten soll keineswegs eine Botschaft herübergebracht werden, Monika Dorband wird auch von keinem "Auftrag" bestimmt. Vielmehr geht es ihr ausschließlich um die Emotionalität, ihrem Wunsch, sich im Bild ausdrücken, im Farbraum wohlfühlen und mit diesem leben zu können.

Die Künstlerin beherrscht dabei eine wunderbare Art der Erzählkunst in ihren Bildern und begeistert auch durch ihre Fähigkeit, den Zauber des Rätselhaften, aber auch des Wohlempfindens auf den Betrachter übertragen zu können.

Die großformatigen Acryl auf Leinwand-Bilder imponieren nicht nur durch deren rote Farbe, sondern auch durch die Kompositionen und die interessant dargestellten Details. Man kann aufgrund der Aufteilung der Bildfläche und der Entwicklung des Bildraumes durchaus von einem "Erlebnisfeld" sprechen, das den Betrachter in sich hinein zieht und fasziniert.

Beispiele: "Grün, aus Rot aufsteigend" oder das Einladungsmotiv "Tiefer ins Rot" oder "Schwebend im Rot".

Die Aquarelle zeigen vor der Natur gemalte, jedoch niemals dieser abbildhaft entsprechenden Landschaften Frankens, Italiens (Ligurien, Imperia) und Dänemarks (Bornholm) und sind teilweise Experimente von Mischungen aus Pflanzenwelt, Gebäuden und oft Bergen verbunden mit Überlagerungen in leichtem und seidigen Stil.

Es sind feinsinnige, gefühlvolle Darstellungen der ganz persönlichen Räume, wie sie die Künstlerin selbst sieht.

Lediglich das Bild von Bornholm weicht in seiner akuraten Deutlichkeit hiervon ab.

Ersichtlich ist jedenfalls, dass sich die Künstlerin einen Großteil ihrer Inspirationen für diese Bilder auf Reisen in fremde Länder einholt.

Die Arbeiten auf Tiefdruckpapier, d.h. Mischtechniken aus Farbradierungen von mehreren Platten, Acryl, Buntstift, Collage stellen einen weiteren Höhepunkt des Werkes von Monika Dorband dar. Bilder wie z.B. "Buena Vista, Besame Mama, Evening Raga, Für Harry Potter" sollten Sie intensiv und genau betrachten und - wie gerade beim Werk "Harry Potter" sogar "lesen".

Ungewöhnlich beim Vergleich mit Werken anderer Künstler ist die Tatsache, dass die graphischen Arbeiten Monika Dorbands eigentlich Originalen fast gleichkommen: so macht die Künstlerin von einem Motiv allenfalls 2-3 Abzüge, um dann die Platte zu überarbeiten, sei es durch Umdrehen und Auf-den-Kopf-Stellen oder/und Hinzufügen von weiteren Zeichnungen oder Abreiben von Flächen sowie Bearbeiten mit Acrylfarben oder collageartiger Integration von Stoffen. Inbegriffen ist dann auch oft die farbliche Veränderung des Hintergrunds zur Erlangung einer neuen Bildkomposition.

Diese Weiterbearbeitung von Motiv und Platte ist einerseits für den Kunstinteressenten und -käufer wegen der niedrigen Auflage eines Blattes, also praktisch eines Unikates, wertvoll und zeigt andererseits auf, dass es Monika Dorband um die Kunst an sich, ihre Kunst, und nicht um den Kommerz geht.

Ein interessanter Gegensatz zu dieser Vielfalt von extrem farbigen Arbeiten ist der auf drei großformatigen Schwarz/Weiß-Radierungen basierende Macbeth-Zyklus "The three witches": hier stellt die Künstlerin klar, dass sie ab und zu nach vielen farbigen Bildern einfach die Lust verspürt, nur mit Schwarz und Weiß zu malen und erfinderisch zu sein. Dies äußert sich dann in solch hervorragenden Werken wie den hier gezeigten Hexenszenen nach Shakespeare, bei denen vor allem auch die künstlerische Technik offenbar wird in Form der sichtbaren Abriebstrukturen, die mit Wischgazen erzeugt werden.

Die sogenannten "Kunst-Zwerge" sind Spielereien der Künstlerin, wie auch die kleinen Mischtechniken auf Papier mit unter anderen den Titeln "Blue Camel 1-3".

Zum Ende kommend darf ich noch anfügen, dass die Liste von Ausstellungen und Ankäufen von Galerien und Museen in Franken über Karlsruhe bis nach Schottland und Finnland reicht..

Lassen Sie sich nun durch die Bilder von Monika Dorband einfach verzaubern, nehmen Sie unvoreingenommen teil an der heiteren Farbigkeit und Formensprache der Werke und geniessen Sie die von Herzen kommenden spielerisch anmutenden und gefühlvollen Kompositionen, die von hohem ästhetischem Anspruch zeugen.

Steigen Sie ein, tiefer ins Rot, ins meditative Rot der Künstlerin!

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Aktualisiert am 20.03.2006